
Deutschlandtour – Von Nord nach Süd
Einmal quer durch Deutschland. Vom nördlichsten Landpunkt bis an die letzte offiziell befahrbare Spitze im Süden. Wo immer es geht, unter Vermeidung von Schnellstraßen und Autobahnen.
WeserberglandMotorradregion Weserbergland25 Strecken
Der Motorrad-Guide im Weserbergland: die besten Strecken, Touren, Streckensperrungen, Sehenswürdigkeiten und Anreise.
Das Weserbergland beginnt dort, wo die Weser entsteht, und endet, wo sie das Bergland wieder verlässt. In Hann. Münden fließen Werra und Fulda auf rund 116 Metern Höhe zusammen und heißen von diesem Punkt an Weser; weiter flussabwärts durchbricht der Strom an der Porta Westfalica die letzte Gebirgskette und tritt in die Norddeutsche Tiefebene aus. Zwischen diesen beiden Toren liegt das Revier – ein hügeliges Mittelgebirgsland zu beiden Seiten des Flusses, verteilt über drei Bundesländer: den Kern in Niedersachsen, die westlichen Ränder in Nordrhein-Westfalen, den südlichen Zipfel in Hessen. Geformt haben die Landschaft die Gletscher der Eiszeit, geblieben ist ein enges Auf und Ab aus bewaldeten Rücken, tief eingeschnittenen Tälern und offenen Hochflächen wie der Ottensteiner Hochfläche.

Für den Fahrbetrieb zählt weniger die absolute Höhe als die Faltung des Geländes. Der höchste Punkt der Region ist die Große Blöße im Solling mit 527,8 Metern; darunter reihen sich das Lipper Bergland mit dem Köterberg (495,8 m), der Hils (480,4 m), der Reinhardswald (472,2 m), der Vogler (460,4 m), die Hohe Egge im Süntel (442,5 m), der Ith (439 m) und der Bramwald (408,1 m). Alpine Maße sind das nicht. Der Reiz entsteht daraus, dass diese Rücken dicht gestaffelt links und rechts der Weser stehen: Man wechselt in kurzer Folge von einem Kamm zum nächsten, und mit jedem Kamm ändern sich Kurvenrhythmus, Belag und Aussicht.
Charakteristisch ist die Schichtstufe: Viele dieser Rücken brechen auf einer Seite steil ab und laufen auf der anderen flach aus, der Süntel gilt als eine der ausgeprägtesten dieser Stufen im niedersächsischen Bergland. Für die Straße bedeutet das kurze, giftige Anstiege an der Steilseite und lange, ziehende Abfahrten auf der Gegenseite – ein Wechselspiel, das man auf wenigen Kilometern mehrfach durchfährt. Links der Weser, auf hessischer und südniedersächsischer Seite, schieben sich mit Reinhardswald und Bramwald zwei große Waldblöcke bis an den Fluss; rechts stapeln sich Solling, Vogler, Hils, Ith und Süntel gegen die Ebene.
Die Grundachse des Reviers ist das Wesertal selbst. Die B 83 begleitet den Fluss von Bad Karlshafen über Höxter, Bodenwerder und Hameln bis Rinteln – eine überwiegend flüssige, flussnahe Linie, an der die Fachwerk- und Weserrenaissance-Orte wie an einer Schnur aufgereiht liegen. Der Abschnitt zwischen Bodenwerder und Hehlen gilt als landschaftlich einer der reizvollsten des Tals. Diese Achse ist die ruhige Grundlinie; die Würze liefern die Straßen, die von ihr abzweigen und in die Höhenzüge steigen.

Am dichtesten wird der Wald im Solling, einem der größten zusammenhängenden Waldgebiete der Region und Kern des Naturparks Solling-Vogler. Durch dieses Massiv ziehen die B 241 und die B 497 – lange, wenig verbaute Waldpassagen mit weiten Radien, gleichmäßigen Steigungen und Orten wie Silberborn, Neuhaus im Solling und Uslar als Fixpunkten. Deutlich schroffer ist der Anstieg auf den Köterberg: Eine Stichstraße ab Lügde-Köterberg klettert als Sackgasse auf die weitgehend baumfreie Kuppe, streckenweise mit bis zu 14 Prozent Steigung. Oben steht das Köterberghaus, und der Rundblick reicht bei klarer Luft bis zum Harz mit dem Brocken, über das Eggegebirge und den Teutoburger Wald – Grund genug für den Beinamen „Brocken des Weserberglands". Wer den Solling nach Süden verlässt und die Weser quert, erreicht am hessischen Ufer den geschlossenen Reinhardswald, der sich bis Bad Karlshafen und Hann. Münden hinunterzieht – ruhigere, langgezogene Waldetappen als Kontrast zum engen Kurvenwerk der Kämme.
Nördlich davon liegen die schmalen, langen Kammzüge, die dem Revier seinen Ruf als Kurvenland geben. Der Ith zieht sich über rund 22 Kilometer als längster Klippenkamm Norddeutschlands hin; überquert wird er im Norden über den Lauensteiner Pass (L 425) und im Süden über den Holzener Pass (B 240) – zwei echte, wenn auch niedrige Passübergänge mit engem Kurvenwerk und den bekannten Ith-Klippen am Wegrand. Weiter westlich, keine fünfzehn Kilometer nördlich von Hameln, staffelt sich der Süntel auf: kurvige Anstiege zur Hohen Egge und zum Hohenstein, dessen bis zu 60 Meter hohe Felswand auf rund 350 Meter Länge senkrecht abbricht. Am nördlichen Ende schließlich türmt sich an der Porta Westfalica der Wittekindsberg (rund 280 m) über den Weserdurchbruch – hier wird das Bergland endgültig zur Ebene.
Was das Weserbergland als Motorradrevier ausmacht, ist die Kombination aus kurzen Wegen und schnellem Szenenwechsel. Die einzelnen Höhenzüge liegen so nah beieinander, dass sich Waldpassage, Kammstraße, Flussufer und Hochfläche an einem Tag ohne lange Verbindungsetappen aneinanderreihen lassen; die Weser bleibt dabei die durchgehende Orientierungslinie, an die man immer wieder zurückfindet. Der Belag liegt überwiegend auf solidem Landstraßenniveau, die Steigungen bleiben moderat – die Kurvendichte dagegen ist beachtlich.

Das Klima ist mild und sommertauglich, aber vom Relief geprägt: Die höheren Rücken – Solling, Köterberg, Süntel – fangen mehr Wolken und Niederschlag ab als das windgeschützte Tal, hängen im Frühjahr und Herbst häufiger im Nebel und kühlen spürbar ab. Für die Tagesplanung heißt das: Was im Tal nach stabilem Wetter aussieht, gilt auf den Kämmen nicht zwangsläufig. Die tragende Saison reicht vom Frühjahr bis in den Herbst; die stabilen Sommermonate liefern die längsten Fenster für die Kammstraßen, während die Buchenwälder im Oktober vor allem im Solling und am Ith ihre Farbe bekommen. Das Weserbergland bleibt damit ein kompaktes, abwechslungsreiches Revier für alle, die kein Hochgebirge brauchen, sondern Kurven, Wald und einen Fluss, der die ganze Region zusammenhält.
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Wer einfach Motorrad fahren möchte und dazu keine 2.000 m hohe Pässe oder Staus auf den Alpenpässen braucht, dem seien die Mittelgebirge Deutschlands empfohlen.

Diese Motorradtour führt vom Fuße des Harzes zur Aussicht des Köterbergs, durch die Einsamkeit des Westerhöfer Waldes und über den Solling hinab bis zur Weser.
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